Die Querdenker die AfD und die Partei Die Basis beabsichtigen die Demokratie anzugreifen. Hilft Ehrliches Mitteilen oder die Gewaltfreie Kommunikation

Die „Querdenker“, die AfD und die Partei „Die Basis“ beabsichtigen die Demokratie anzugreifen. Hilft „Ehrliches Mitteilen“ oder die „Gewaltfreie Kommunikation“

Liebe Leserinnen und Leser, in den vergangenen Jahren habe ich, ähnlich wie viele von Ihnen, mit zunehmender Besorgnis zur Kenntnis genommen, dass immer mehr Leute in Deutschland Gruppen wie den Querdenkern, der AfD oder der Partei Die Basis beitreten.

Wie ich bereits in früheren Beiträgen erläutert habe, mache ich mir Gedanken über den Erhalt der Demokratie. Die gegenwärtigen Zeiten sind alles andere als einfach, geprägt von Kriegsgeschehen weltweit, der Corona-Pandemie und deren Folgen sowie der Klimakrise. Viele Menschen fühlen sich von den politischen Akteuren nicht ernst genommen. Die Digitalisierung verläuft alles andere als reibungslos. Obwohl es uns in Deutschland relativ gut geht, haben wir oft den Eindruck, weniger Geld zur Verfügung zu haben. Ein Verlust des Arbeitsplatzes ist heutzutage deutlich schneller möglich als vor vielen Jahren. Viele empfinden, dass sie in ihrem Leben nicht die nötige Beachtung finden und keinen Einfluss auf ihre Lebensumstände haben.

Ich habe Kontakt zu den unterschiedlichsten Menschen im realen Leben und auch in sozialen Medien. Zahlreiche Online-Bekanntschaften sind mir auch im echten Leben begegnet. Einige Personen folge ich in sozialen Netzwerken, um weiterführende Informationen über das weltweite Geschehen zu erhalten.

Die Anzahl der psychischen Erkrankungen steigt in letzter Zeit deutlich an. Ich sehe viele Menschen, die verunsichert sind und aktuell mit Ängsten und Sorgen um die Zukunft kämpfen. Wir werden mit einer Flut neuer Informationen überschüttet. Selbst wenn wir die Tagesschau oder das „Heute Journal“ im öffentlichen Fernsehen verfolgen, sind manche Nachrichten schwer verdaulich, wie ich finde.

Was mich persönlich bewegt, ist die Frage:

Warum wenden sich Menschen gerade jetzt solchen Kräften zu, die – aus meiner Sicht – die Grundpfeiler unserer Demokratie angreifen?

Ich glaube, der Kern liegt in einem tiefen Vertrauensverlust und in einem Gefühl der Entfremdung. Viele Menschen fühlen sich von der Politik, den Medien und den etablierten Institutionen nicht mehr gehört. Sie erleben, dass ihre Sorgen – sei es über Inflation, Migration, Klimapolitik oder die Folgen der Pandemie – abgekanzelt, lächerlich gemacht oder einfach ignoriert werden.

In diesem Vakuum entsteht ein Nährboden für jene, die mit einfachen Antworten, Schuldzuweisungen und dem Versprechen einer „Rückkehr zur Normalität“ werben – auch wenn diese Normalität oft eine autoritäre, ausgrenzende Vision ist.

Hier setze ich an: Könnte „Ehrliches Mitteilen“ oder die „Gewaltfreie Kommunikation“ (GFK) nach Marshall Rosenberg ein Weg sein, diesen Abdrift zu stoppen?

Die Partei „Die Basis“ gründete sich 2020/2021 in der Hochphase der Corona-Proteste und zog Mitglieder aus der Corona-Skeptiker- und Querdenker-Szene an. Themen wie Freiheitsrechte, Kritik an Maßnahmen und Verschwörungsnarrative werden von der Bewegung betont. G. N. Kleins „Handbuch Ehrliches Mitteilen“ (PDF) entstand explizit als Beitrag für „Die Basis“. EM ist das eigene Verfahren nach Klein und soll helfen, Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken ehrlich zu teilen, um Konflikte aufzulösen. Das Dokument ist auf Websites zu finden unter den Stichwörtern „Ehrliches Mitteilen“.

Verschiedene Kritiker, und auch ich, habe ethische Bedenken hinsichtlich der Vermischung von Küchenpsychologie, Esoterik und Psychologie.

Während der Corona-Pandemie sind hier von den Querdenkern und anderen viele Merkwürdigkeiten verbreitet worden.

Die Querdenker-Bewegung hat sich zu einem diffusen Netzwerk entwickelt, das oft als „Sammelbecken für Verschwörungsideolog*innen, Rechtspopulist*innen und verunsicherte Bürger*innen“ beschrieben wird. Sie positionieren sich als basisdemokratisch und pazifistisch, fordert mehr Volksabstimmungen und kritisiert Eliten – Themen, die auf den ersten Blick demokratisch klingen. Kritiker sehen jedoch ein systematisches Unterlaufen der freiheitlich-demokratischen Grundordnung:

Verschwörungsnarrative und Desinformation: Die og. Szene verbreiten Mythen wie „Mikrochips in Impfstoffen“ oder „Wahlbetrug“, die nicht nur wissenschaftlich widerlegt sind, sondern Misstrauen in Institutionen säen und zu Radikalisierung führen. Die Querdenker distanzieren sich offiziell, ziehen aber Figuren an, die mit Reichsbürgern oder Antisemitismus in Verbindung stehen, z. B. Bodo Schiffmann, Ballweg, Bhakdi und weitere.

Anti-demokratische Tendenzen: Die Szene sympathisiert mit autoritären Regimen (z. B. Russland) und lehnt EU-Sanktionen ab, was als „Verrat am Vaterland“ kritisiert wird. Initiativen stehen mit der Szene in Verbindung mit rechtsextremen und esoterischen Elementen, die die repräsentative Demokratie als „Diktatur“ diffamieren.

Gesellschaftliche Schäden:

Durch die Nähe zur AfD und Querdenkern (z. B. gemeinsame Demos) wurde Hass gegen Minderheiten geschürt – von Antisemitismus bis Islamophobie. Das untergräbt den gesellschaftlichen Zusammenhalt und macht Wahlen anfälliger für Populismus. Die Amadeu Antonio Stiftung fasst es so zusammen: „Verschwörungserzählungen und Esoterik, um ein Mandat zu ergattern“ – ein direkter Angriff auf rationale Debatten. Fakten werden relativiert und die Polarisierung gefördert. Das ist kein „Angriff“ im Sinne von Putschplänen, sondern ein schleichender Prozess, der Vertrauen in Institutionen erodiert – ähnlich wie bei anderen populistischen Bewegungen

Warum „EM“ hier keine Hilfe ist, sondern ein Irrweg

Kleins esoterisch geprägte Selbsthilfemethode – eine Technik, bei der Gefühle, Körperempfindungen und Gedanken in einem sicheren Raum ungefiltert geteilt werden – zielt auf persönliche Heilung ab (z. B. via Vagusnerv-Regulation nach Polyvagaltheorie). Sie kann in Kontexten hilfreich sein, z. B. in Selbsthilfegruppen. Aber in der politischen Arena wird sie zu einem Irrweg, der die Probleme kaschiert, statt sie zu lösen.

Statt Demokratie zu stärken (z. B. durch faktenbasierte Debatten), wird EM zu einem Vehikel für Selbstbestätigung – ein klassischer Irrweg in populistischen Gruppen, wo „Gefühle über Fakten“ herrschen. Ähnlich wie Meditation in Sekten: Hilfreich isoliert, gefährlich, wenn es Menschen „heilt“, ohne sie zu konfrontieren.

Was ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK)?

Die Gewaltfreie Kommunikation (engl. Nonviolent Communication, kurz NVC oder GFK) ist ein Kommunikations- und Konfliktlösungsansatz, entwickelt vom US-amerikanischen Psychologen Dr. Marshall B. Rosenberg (1934–2015) aus der Psychologie und Friedensarbeit der 1960er Jahre mit dem Ziel Konfliktlösung, Kooperation und soziale Gerechtigkeit

Sie basiert auf der Idee, dass alle Menschen die gleichen grundlegenden Bedürfnisse haben (z. B. Sicherheit, Verständnis, Autonomie, Wertschätzung) und dass Konflikte entstehen, wenn diese Bedürfnisse nicht erfüllt oder nicht erkannt werden – nicht weil Menschen „böse“ oder „falsch“ sind.GFK ist keine Technik zum Überzeugen, sondern ein Prozess des einfühlsamen Zuhörens und ehrlichen Ausdrucks, der Gewalt in Sprache, Denken und Handeln reduzieren soll. Sie wird weltweit in Familien, Schulen, Unternehmen, Gefängnissen, bei Mediationen und sogar in Krisenregionen eingesetzt.

Es basiert auf der Annahme:

„Jede Gewalt beginnt in der Sprache – und jede Veränderung auch.“

GFK zielt darauf ab, authentisch, empathisch und bedürfnisorientiert zu kommunizieren – ohne Schuldzuweisung, Urteil oder Manipulation.

Praxisbeispiel: GFK in einer „Die Basis“-Gruppe

Szenario**: Ein Mitglied sagt:

„Die Regierung will uns mit 5G kontrollieren!“

Falsch (EM-Style):

„Ich spüre Panik im Bauch, wenn ich daran denke…“

Kollektives Nicken, Angst wird verstärkt.

Richtig (GFK): Ziel der folgenden Übung

– Konflikte entschärfen

– Verschwörungsdenken hinterfragen – ohne zu beschämen

– Fakten und Gefühle verbinden

– Echte Kooperation statt Echokammer

  • 1. Beobachtung: „Ich habe gehört, dass du sagst, 5G sei zur Kontrolle da.“
  • 2. Gefühl: „Ich fühle mich besorgt, weil ich wissenschaftliche Studien anders kenne.“
  • 3. Bedürfnis: „Ich brauche Klarheit und Vertrauen in unsere Diskussion.“
  • 4. Bitte: „Könntest du mir eine **verlässliche Quelle** zeigen, die das belegt?“

Ergebnis: Dialog statt Dogma. Faktenprüfung statt Gefühlswall.

Ehrlicher Selbstausdruck („Ich-Botschaft in 4 Schritten“)

„Wenn ich sehe/höre …, dann fühle ich …, weil ich das Bedürfnis nach … habe. Deshalb bitte ich dich: …“

Beispiel (Konflikt mit einem Querdenker-Freund):

„Wenn ich höre, dass du sagst, ‚die Regierung will uns alle versklaven‘, dann fühle ich Angst und Ohnmacht, weil mir Sicherheit, Freiheit und gemeinsame Wahrheitssuche wichtig sind. Würdest du mir erzählen, welche Erfahrungen dich zu dieser Sicht gebracht haben?“

Einfühlsames Zuhören („Giraffensprache des Herzens“)

Statt zu werten, zu analysieren oder zu widersprechen, versucht man, die Gefühle und Bedürfnisse des anderen zu erraten – auch wenn man nicht einverstanden ist.Beispiel (Reaktion auf „Die Medien lügen doch alle!“):

Statt: „Das stimmt doch gar nicht!“
Sagt man:
„Hörst du dich gerade enttäuscht und misstrauisch? Weil dir Transparenz und Vertrauen wichtig sind?“

Das nennt Rosenberg „Giraffensprache“ – das Tier mit dem größten Herzen und dem weiten Blick.

GFK in der Praxis – Beispiel: Gespräch mit einem AfD-WählerKontext:

Ein Freund sagt: „Die Ausländer nehmen uns alles weg!“Falsch (klassische Reaktion):

„Das ist rassistisch! Hast du keine Bildung?“

Richtig (GFK):

  1. Einfühlung (Zuhören): „Bist du gerade besorgt um deine Zukunft? Weil dir Sicherheit, Arbeit und Zugehörigkeit wichtig sind?“
  2. Ehrlicher Ausdruck (wenn Vertrauen da ist): „Wenn ich das höre, fühle ich Traurigkeit und Sorge, weil mir Vielfalt, Fairness und Zusammenhalt am Herzen liegen. Möchtest du gemeinsam schauen, wie wir beide uns sicherer fühlen können?“

Ziel: Verbindung herstellen, nicht gewinnen

Wie fange ich an?

  1. Übe Beobachtung vs. Bewertung
    Schreibe 3 Sätze um: „Du bist zu laut“ → „Ich höre dich seit 10 Minuten schreien.“
  2. „Die Regierung betrügt uns“ → „Ich sehe, dass Steuern steigen, aber Löhne nicht.“
  3. Erkenne deine Gefühle: Nutze eine Gefühlsliste (z. B. wütend, hilflos, froh, dankbar).
  4. Finde das Bedürfnis dahinter. Frage: „Was brauche ich gerade, um mich wohlzufühlen?Bedürfnisliste Übe Einfühlung – laut oder still Rate bei Streit: „Fühlst du dich … weil dir … wichtig ist?“

Anregungen Wo lernen? – Seriöse Ressourcen

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Fazit

GFK ist kein Werkzeug, um andere zu ändern – sondern um sich selbst und andere besser zu verstehen.

In einer polarisierten Gesellschaft wie heute – mit Querdenkern, AfD, Die Basis, Klimastreiks und Cancel Culture – ist GFK ein radikaler Akt der Menschlichkeit.

Sie sagt:

„Hinter jeder Meinung steckt ein Mensch mit einem unerfüllten Bedürfnis.“

Wenn wir lernen, dieses Bedürfnis zu hören, statt die Meinung zu bekämpfen, öffnet sich ein Raum für echten Dialog – und vielleicht sogar für gemeinsame Lösungen.

Ich möchte einladen: Lassen Sie uns miteinander ins Gespräch kommen – nicht um zu überzeugen, sondern um zu verstehen. Vielleicht ist das der erste Schritt, um unsere Demokratie nicht nur zu verteidigen, sondern menschlicher und widerstandsfähiger zu machen. Herzliche Grüße Elke Overhage

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