Kritische Auseinandersetzung mit der These Kommunikation ist das, was ankommt

Kritische Auseinandersetzung mit der These „Kommunikation ist das, was ankommt“

Die These „Kommunikation ist das, was ankommt“ – oft in Kommunikationsfortbildungen (z. B. in kirchlichen oder diakonischen Kontexten wie bei Diakonie und EKD) verwendet, betont einen Standard der Presse und Öffentlichkeitsarbeit von Organisationen.

Der Erfolg der Kommunikation hängt nicht zuerst von den Absichten oder den Worten des Senders ab, sondern daran, wie die Botschaft beim Empfänger verstanden und wahrgenommen wird. Das fördert Empathie und Verantwortung für klare Formulierungen, was in beruflichen Trainings praktisch hilfreich ist, um Konflikte zu vermeiden und die Wirkung zu steigern. Kommunikation bei Diakonie und EKD wirkt als wichtiges Bindeglied für gesellschaftlichen Zusammenhalt, indem sie den Dialog fördert und Polarisierung entgegenwirkt. Die „Wirkung“ zielt darauf ab, Vertrauen zu schaffen, Menschen zu ermutigen sich zu engagieren, um Spaltungen zu überwinden und gemeinsame Wege für die Zukunft zu finden.

Kritik

Die Formulierung „Kommunikation ist das, was ankommt“ und Darstellung ist einseitig. Sie verschiebt die Verantwortung fast vollständig auf den „Sender“, der mitteilt, während der „Empfänger“ passiv bleibt. In der Realität ist Kommunikation ein interaktiver wechselseitiger Prozess:

– Nach Paul Watzlawick (Axiome der Kommunikation) hat jede Nachricht einen Inhalts- und Beziehungsaspekt, und „man kann nicht nicht kommunizieren“. (https://www.paulwatzlawick.de/axiome.html)

– Nach Friedemann Schulz von Thun (Vier-Seiten-Modell) sendet eine Nachricht gleichzeitig auf vier Ebenen (Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung, Appell), und der Empfänger interpretiert sie mit vier „Ohren“ – oft unterschiedlich, was zu Fehlinterpretationen und Missverständnissen führt. (https://www.schulz-von-thun.de/)

Der Empfänger interpretiert aktiv, beeinflusst durch Kontext, Vorurteile oder Emotionen. Die These „Kommunikation ist das, was ankommt“ vernachlässigt diese gegenseitige Verantwortung und kann den Sender überfordern, wenn der Empfänger z. B. nicht zuhört oder voreingenommen ist.

In diakonischen oder kirchlichen Settings (EKD/Diakonie), wo Kommunikation oft um sensible Themen wie Seelsorge oder Konfliktlösung geht, könnte zudem die Tiefe der Beziehung und Selbstoffenbarung ebenfalls unterschätzt werden.

Verbesserungsvorschlag

Eine diffenzierte Formulierung lautet:

Das betont:

– Die Wichtigkeit der Wirkung beim Empfänger („was ankommt“).

– Die Notwendigkeit von Feedback, Nachfragen und gegenseitigem Zuhören.

– Die Komplexität nach etablierten Modellen (Watzlawick, Schulz von Thun).

So wird die professionelle Kommunikation praxisnah erweitert, ohne ihre Kernbotschaft zu verlieren, und fördert echte Verständigung statt einseitiger Anpassung. Zudem ist bedeutsam, dass der Sender und Empfänger auch voneinander lernen möchten.

Genau hier liegt die ermutigende Chance: Wir können selbst dafür sorgen, in Dialog mit den Menschen zu gehen. Missverständnisse sind normal und kein Versagen, sondern eine Einladung, tiefer hinzuschauen.

Wenn wir neugierig fragen „Wie hast du das verstanden?“, „Was nimmst du daraus mit?“ oder „Welche Erfahrungen hast Du gemacht?“ „Was können wir von dir lernen?“, schaffen wir Raum für Begegnung, Mitgefühl und Verständnis füreinander. Gleichzeitig signalisieren wir Respekt und Interesse am Gegenüber.

Das Schöne daran:

Kommunikation wird dann zu einem gemeinsamen Lernprozess. Sender und Empfänger können voneinander lernen – über Inhalte, Perspektiven, notwendige Veränderungen und auch über sich selbst.

Zitate zum Thema Kommunikation

Wer ein Gespräch mit einem unsachlichen Beleidigungsversuch beginnt, hat sich meiner Ansicht nach ins Aus gespielt. So funktioniert Kommunikation nicht! Am 30. Apr. 2024 bei Twitter X Userin Christy @christygoe

Wissen spricht, aber Weisheit hört zu berühmtes Zitat, das oft Jimi Hendrix zugeschrieben wird

Die Gedanken eines Menschen sind unergründlich wie ein tiefer See, aber ein Menschenkenner durchschaut sie und bringt sie ans Licht. Bibel, Buch der Sprüche 20,5

Willst du ein guter Kommunikator sein, dann schau’ auch in dich selbst hinein! Schulz von Thun

Was, wenn alle Wölfe, die mich zuweilen das Fürchten lehren, nur Giraffen sind – Giraffen mit Sprachproblemen? Marshall B. Rosenberg

Es ist besser, nicht auf seinen persönlichen Ansichten zu beharren, sondern mit dem Gegenüber in einen Dialog zu treten. Dalai Lama

Die Stärke unserer Gesellschaft misst sich am Umgang mit den Schwächsten. (Diakonie + EKD)

Erfahrungen

Wechselseitige Kommunikation heißt: das Evangelium ist kein Besitz. Wir haben es nicht, sondern es ergreift uns, immer wieder neu. Es ist kein Vorsprung: Nur wer es mit anderen teilt, entdeckt es neu. (https://www.mi-di.de/themen/kommunikation-des-evangeliums)

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  • Artikel Liebe als Grundlage der Gewaltfreien Kommunikation nach Marshall Rosenberg (Beitrag hier klicken)

2 Kommentare zu „Kritische Auseinandersetzung mit der These Kommunikation ist das, was ankommt

  1. „Erfolgreiche Kommunikation ist das, was gemeinsam verstanden wird – sie entsteht durch die Absicht des Senders und die Interpretation des Empfängers in einem dialogischen Prozess.“

    Das gefällt mir sehr gut. Auch ich mochte diese Aussage wenig, dass in erster Linie der Empfänger für die Wirkung der Worte des Senders verantwortlich sein soll.

    L.G., Reiner

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  2. Vielen Dank, Reiner, für den aufmunternden Kommentar, den du mir gegeben hast. Ich hatte Bedenken, ob mein Thema nachvollzogen werden kann, da es was für Insider ;-) ist. L.G., Elke

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